Eigentlich sollte uns nach durchzechter Nacht am 2. Weihnachtstag ein gebührender Kater begrüßen, aber Fehlanzeige, stattdessen wurden wir gegen 5 Uhr vom Hahnengekrähe aus den Federn gerissen. Nach einem ungläubigen Blick auf die Uhr zwangen wir uns dann noch bis 7 Uhr zu schlafen, bis wenig später der Chief bei uns im Schlafraum stand und uns mitteilte, dass das Frühstück bereits kredenzt wurde.
Eine ca. 40 Liter Tonne des selbstgemachten Reisweins. Allan meinte daraufhin:"Wenn zwei Männer jetzt anffangen würden diese Tonne Reiswein zu trinken, könnten sie es eventuell an einem Tag und einer Nacht schafen diese zu leeren, oder in zwei". "Alles klar Allan, wohl immer noch nicht auf'em Damm was?!" ![]()
Das ist die Ruai, wo sich das Leben der Langhausgemeinschaft abspielt.
Am Tag zuvor haben wir mit Robin vereinbart auf Wildschweinjagd im Regenwald zu gehen, aber nachdem wir Robin auf der Ruai sahen, schien unser Vorhaben zu kippen. Noch ziemlich angetrunken und mit einem neuen Glas Reiswein in der Hand teilte uns Robin mit, dass er uns leider auf der Jagd nicht begleiten könnte, dafür aber sein Vater einspringen würde.
Um elf Uhr ging es dann los, wir sprangen noch kurz in unsere nassen Schuhe und machten uns samt Vater, seiner drei Hunde und einer Machete auf den Weg in den Regenwald. Vorbei an weiteren Fischzuchtbecken verließen wir den Trampelpfad und bogen direkt in den Wald ein. Robins Vater ließ seine Hunde ausschwärmen, vorauf hin wir leise durch den Wald zu schreiten versuchten. Zwischdurch zeigte uns Robins Vater einige Spuren der Wildschwein und erhöhte das Tempo, seine Hunde alamierte er währenddessen mit einer Mischung aus verschiedenen Vogellauten. Nach einer halben Stunde wurde der Regenwald immer dichter und wir waren umgeben von Bananenstauden, Dornenbüschen und Baumriesen. Die perfekte Gelegenheit die Machete auszupacken und uns den Weg freizukämpfen!
Mit Flinte, Machete und Korb auf dem Rücken führte Robins Vater die Jagd an.
Bereit fürs Wildschwein
.
Wir hatten manchmal echt Problem an Robins Vater dranzubleiben.
Ganz beiläufig entdeckten wir dann auch dieses Exemplar, was sich direkt neben uns auf einem Ast räckelte. Dabei handelt es sich um eine grüne Baumgrubenotter, weche sich auf Grund ihrer Körperlänge (45 - 75 cm) bei Gefahr aufrichtet und mit ihren etwa 35mm langen Giftzähnen bevorzugt in Kopf, Schultern oder Nacken verbeißt.
Die Machete ausgepackt ließ uns Robins Vater ein paar Waldfrüchte probieren.
Den Kautschuk der Bäume fingen die Iban in PET-Flaschen auf.
Nach drei Stunden endete unsere leider erfolglose Jagd, dafür haben wir aber für Ordnung im Forstbestand gesorgt und alles niedergemacht was uns in die Quere kam. Natürlich sind dabei nur kranke oder bereits morsche Bäume uns zum Opfer gefallen
. Bei Rückkehr zum Langhaus erwartete uns dann auch schon unser Mittagessen und eine Menge Wasser, da wir so blöd waren und nichts mitgenommen hatten.
Beim Rundgang durchs Langhaus vielen uns die Tätowierungen dieses Bewohners auf.
Tätowierungen wo das Auge hinguckt.
Wir ließen es an diesem Tag wirklich langsam angehen und verkrochen uns zwischendurch für ein paar Stunden zum Fußballplatz, um etwas Abstand von der ganzen Sauferei zu bekommen. Uns vermisste glücklicher Weise niemand, was auch daran lag, dass um die Nachmittagszeit zwei Neue das Langhaus erreichten und in die Sitten und Trinkgewohnheiten der Iban eingeführt wurden. Abends gesellten wir uns dann aber doch wieder zu den Leuten und lauschten den Kindern beim Karaoke singen.
Das sind Francesca aus Italien und Jason aus Australien.
Alle saßen gespannt vor der Karaokemaschine und trällerten Lieder auf Iban zu bekannten, aber leicht verfälschten Popmelodien.
Das ist das Gesöff worum es sich die ganze Zeit gedreht hat, Ai Kitai.
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